Sehr oft wird der Begriff naturnah mit
dem Aquarium in Verbindung gebracht. Da mich dieser Ausdruck
immer verwirrte, habe ich mich damit einmal näher befasst.
Den Begriff "naturnah" interpretiere ich so, dass
etwas "Nah" an der Natur sein muss. Wie nah dies
jedoch ist, dies wird damit nicht zum Ausdruck gebracht und
lässt dann natürlich viel Freiraum für Interpretationen.
Wohl meistens etwas, was derjenige der diesen Begriff nutzt
eben vermeiden will.
Ich habe
einmal die Frage, wie jemand für sich den Begriff "naturnah"
beschreibt, in einem Forum zur Diskussion gestellt. Kurz,
das Ergebnis war eigentlich so wie ich es auch erwartet habe.
Es gab einige unterschiedliche Ansichten dazu, wann ein AQ
naturnah ist und auch, ob dies überhaupt möglich
ist.
Nur dem Sinn nach will ich zur Verdeutlichung mal ein paar
Aussagen hier aufführen, so, wie ich diese verstanden
habe:
So sind einige Vorstellungen
sinnlich sich ähnlich, bei den anderen liegen wiederum
Welten dazwischen was man unter naturnah verstehen kann.
Wie die wenigen Darstellungen oben
zeigen, ist es wohl unmöglich zu wissen, wenn jemand
von naturnahem AQ spricht, was er wirklich meint. Man kennt
einfach seine Ansicht, seine Definition bzw. Interpretation
des Begriffes nicht. Unter diesen Voraussetzungen muss man
sich nicht wundern, wenn es zwangsläufig zu Differenzen
in der Betrachtungsweise kommt.
Damit nun alle unter naturnahes AQ auch das gleiche verstehen,
müsste dieser Begriff erst einmal definiert werden.
So definiert werden, dass es in der Deutung und dem Verständnis
keinen Spielraum zur Interpretation oder Spekulation gibt.
Ob eine solche Definition überhaupt
erforderlich ist oder man besser den Begriff einfach aus
seinem aquaristischen Sprachgebrauch streicht sei mal dahingestellt.
Für mich stellt sich die Frage,
für welche AQ brauchen wir den Begriff überhaupt?
Dies müsste ja bedeuten, wir haben
3 Gruppen von Aquarien.
1. AQ mit Fehlern und Problemen >>>
ungewollte Aquaristik
2. Die Aquaristik wie sie sein soll >>> erfolgreiche
Aquaristik3
3. Naturnahe Aquaristik >>> keine Ahnung was das
im Unterschied zu 2. sein soll. ;-)
Meine
Einstellung kurz und knapp |
"Die" naturnahe
Aquaristik kann es mangels Definition nicht geben.
Naturnahe Aquaristik ist nur eine vermeintlich werbewirksame
Bezeichnung.
Im Ergebnis meinen die erfahrenen Aquarianner vermutlich
alle das gleiche, nutzen aber, um sich kurz zu fassen einen
sehr dehnbaren Begriff der nicht gerade zum Verständnis
beiträgt.
Meine
Ansicht etwas ausführlicher |
Ich hatte ja beschrieben, dass es in
der Auslegung der naturnahen Aquaristik schon große
Unterschiede gibt. Ich greife mal wieder das Wort "nah"
auf.
Beispiel:
Nehmen wir mal zwei Orte die ca. 60 km von einander entfernt
liegen. Dann fragen wir Leute aus den Orten, ob es zu dem
anderen Ort nah ist. Wir werden unterschiedliche Antworten
bekommen.
Warum?
Einfach, weil wir nicht gesagt haben, was wir unter nah
verstehen. Hätten wir zuerst gesagt, alles unter 100
km ist für uns nah, dann würde das Ergebnis auch
anders ausfallen. Sollte dann trotzdem jemand behaupten,
es wäre nicht nah, können wir das ja einfach belegen.
Die Entfernung ist 60 km. Alles was unter 100 km ist verstehen
wir unter nah. Das sind dann klare Fakten die keinen Spielraum
der Spekulation zulassen.
Jetzt übertragen wir das mal auf naturnahes Aquarium.
An was wollen wir naturnah hier nun festmachen? Wir wissen
zwischenzeitlich ja, dass es dazu unterschiedliche Meinungen
gibt. Also ist der Ausdruck "naturnah" hier vollkommen
fehl am Platz weil er absolut nichts aussagt. Er sagt nicht
aus wie nah wir an der Natur sein müssen/sollten/können,
damit der Begriff gerechtfertigt ist.
Wer sich mal wirklich mit den Fanggebieten befasst, der
wird auch bald feststellen, dass es vielleicht gar nicht
erwünscht ist, bestimmte Bedingungen nachzustellen.
Es gibt Trockenzeiten, in denen die Fische in einer Pfütze
vielleicht überleben. Es gibt den Feinddruck. Es geht
um fressen und gefressen werden. Das ist auch naturnah.
Ist es deshalb nachahmenswert?
Für mich heißt es deshalb:
Naturnah wird aus mein aquaristischen Sprachgebrauch
gestrichen.
Helft mit Klarheit zu schaffen und schließt
euch an
|
Und
nun? Was machen wir ohne den Begriff? |
Ich schätze, wir wollen alle,
dass sich die AQ-Bewohner wohlfühlen.
Wann fühlen z.B. wir uns wohl?
Doch dann, wenn die markanten und wichtigen Voraussetzungen
erfüllt sind die wir auf Grund unserer "Gewöhnung"
kennen/erwarten. Dabei gestehen wir auch Toleranzbereiche
zu. Bereiche, die nicht 100% unsere Bedürfnisse erfüllen
und vielleicht auch nicht erfüllen können, und
andere Bereiche, die maßgeblich für unser Wohlbefinden
und somit ausschlaggebend sind.
Übertragen wir dies einmal auf
unsere AQ-Bewohner. Alleine aus ihrer natürlichen Umgebung
heraus, kennen diese auch Toleranzbereiche. Es gibt vermutlich
kaum einen Fluss, Gewässer usw. was über das Jahr
hinweg oder über einen ganzen Flussverlauf immer die
gleichen Gegebenheiten bietet. Sowohl die Wasserwerte (Wasseranalyse)
als auch die "Dekoration" kann schwanken.
Für die meisten AQ-Bewohner gibt
es auch auf vielen Seiten eine Angabe zu den Haltungsbedingungen.
Einige sind da zu empfehlen, von anderen ist eher abzuraten.
Die Haltungsbedingungen sollten sich schon an den natürlichen
Lebensräumen orientieren.
Aus meiner Sicht spielt es dabei keine Rolle, ob in einem
Fanggebiet z.B. auch Wurzeln vorkommen oder welche Pflanzenarten
es da gibt. Eine Wurzel wird die Fische, auch wenn sie das
nicht kennen, kaum stören und ob nun die Pflanzen aus
dem gleichen Gebiet kommen oder auch nicht, das sehe ich
da auch nicht als so bedeutend an. Ich strebe hier aber
auch keinen Perfektionismus an.
Sehr wohl eine Rolle dabei spielt jedoch,
z.B. der Bodengrund. Gleich ob Sand oder Kies. Sehr wohl
eine Rolle spielen die Versteckmöglichkeiten. Fische
die gerne durch dichtes Pflanzendickicht schwimmen, denn
sollte man das auch bieten. Fische die gerne im Sand wühlen,
die sollten ihren Sand auch haben.
Ich hoffe, es ist in etwa klar geworden was ich damit meine.
Es gibt meiner Meinung nach nur ein Ziel: Die AQ-Bewohner
sollen sich wohlfühlen.
Wer
unbedingt dafür einen Begriff braucht ... |
Dann nehmen wir doch einfach das erfolgreiche
Aquarium. Betreibe die erfolgreiche Aquaristik4
und deinen AQ-Bewohnern geht es gut.
Ich bin mir über die Signifikanz
des Themas bewusst. Ich erhebe auch hiermit nicht den Anspruch
eine optimale Lösung gefunden zu haben. Mir würde
es schon reichen, wenn hierdurch manche wenigstens mal darüber
nachdenken. Vielleicht ergibt sich ja auch ein Feedback
mit dem man diesen Beitrag überarbeiten und dadurch
optimieren/präzisieren kann.
1 Habitat
bedeutet: Standort, an dem eine Tier- od. Pflanzenart regelmäßig
vorkommt.
2 Regionalbecken bedeutet: Ein
AQ was in seinem gesamten System (Fische, Pflanzen, Dekoration
usw.) dem aus einer Region der Herkunft entspricht.
3
erfolgreiche Aquaristik: Die erfolgreiche Aquaristik orientiert
sich an den Bedürfnissen, Gewohnheiten der AQ-Bewohner
und setzt die Wohlfühlhaltung für die Lebewesen
im AQ um. Die AQ-Bewohner stehen im Vordergrund in dem AQ-System.
4
erfolgreiche Aquristik (manche
sagen vielleicht auch naturnah dazu ;-)):
Ein Aquarium sollte so betrieben werden, dass sich
die Bewohner wohl fühlen. Selbstverständlich sind
hier auch Toleranzgrenzen möglich aber auch zu beachten.
Die Toleranzgrenzen kann ich nicht greifen, da die mit den
AQ-Bewohnern auch wechseln. Somit sind diese Grenzen individuelle
und nicht zu verallgemeinern.
Wasserzusätze, ausser
Dünger, hat ohne das ein zwingender Grund vorliegt
nichts im AQ zu suchen.
Die selbstverständlichen
Grundsätze bezüglich der Einrichtung und Pflege
sind zu beachten (z.B. moderater Fischbesatz, Berücksichtigung
der spezifischen Eigenarten der Fische, Bodengrund, Pflanzen,
Höhlen, Wurzeln usw.)
Versteckmöglichkeiten und Schwimmraum verhindern, dass
Fische von anderen Arten unterdrückt werden.
Die Fütterung ist abwechselungsreich.
Die Wasserbeschaffenheit muss den Fischen hinsichtlich
PH, GH, KH, Temperatur und anderer Werte einschließlich
der organischen Belastung entsprechen.
Hier
findet ihr das Forum um über das Thema zu diskutieren.
Weitere Details zu meinem Aquarium wie die Entwicklung
der Wasserwerte und Bilder findet ihr über das Site-Menü.
Fragen könnt ihr gerne in meinem
Altwasser-Forum
stellen. Natürlich freue ich mich auch über einen
Eintrag in mein Gästebuch.
© 2003
Axel Neufang